Phantastik Journal: Herr Bornemann, Sie sind in der Literaturszene als „Worttänzer“ bekannt. Ihr Portfolio ist beeindruckend: Seit 2025 schreiben Sie Kurzgeschichten aller Art – von düsteren Krimis bis hin zu berührenden Familiendramen. Nun vertreiben Sie ausgewählte Werke als E-Books auf Amazon und präsentieren uns mit „Die Chroniken von Nebelstein“ ein neues Highlight. Wie passt dieses Projekt in Ihr Schaffen?
Ralf Bornemann: Für mich ist das Genre zweitrangig, solange die Geschichte eine Seele hat. Ob ich nun einen Tatort in einer deutschen Großstadt beschreibe oder eine mechanische Parallelwelt wie Chronos – im Kern geht es immer um menschliche Regungen. Seit ich 2025 angefangen habe, Kurzgeschichten zu veröffentlichen, habe ich gelernt, wie man Spannung auf engem Raum erzeugt. In „Nebelstein“ hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ein kurzer Moment nicht ausreicht. Ich wollte den Leser länger an die Hand nehmen. Es ist eine logische Fortführung: Die Präzision eines Krimis trifft auf die Magie der Fantasie.
Phantastik Journal: Die Welt von Chronos ist so detailreich beschrieben, dass man den Ruß und das Metall fast riechen kann. Woher kommt diese Faszination für das Mechanische?
Ralf Bornemann: Da muss ich ein Geständnis ablegen: Ich bin ein absoluter Enthusiast für Themenwelten. Ich verbringe in meiner Freizeit oft mehrere Tage am Stück im Phantasialand. Besonders der Themenbereich Rookburgh hat es mir angetan. Diese Symbiose aus Dampf, Stahl und einer Vision des Fortschritts ist für mich pure Inspiration. Wenn ich dort durch die Straßen gehe, entstehen die Bilder für Chronos ganz von allein. Ich sauge diese Atmosphären auf wie ein Schwamm – die Geräusche, das Zischen der Ventile, das Ineinandergreifen der Zahnräder. Ich bin ein Tagträumer, und Orte wie Rookburgh sind die Treibstoffkammern für meinen Kopf.
Phantastik Journal: Viele Autoren ziehen sich zum Schreiben in die Einsamkeit zurück. Wo entstehen Ihre Ideen?
Ralf Bornemann: Selten am Schreibtisch! Die besten Einfälle kommen mir, wenn ich mit meinem Hund spazieren gehe. In der Natur finde ich die Ruhe, die ich brauche, um die Puzzleteile einer Geschichte zusammenzusetzen. Aber das ist nur die eine Seite. Die andere Seite ist mein Job im Wirtshaus. Dort bin ich mitten im Leben. Ich höre Fetzen von Gesprächen, sehe die unterschiedlichsten Charaktere und erlebe echte Emotionen – von Freude bis Melancholie. Das Wirtshaus ist eine Bühne der Menschlichkeit, und ich nehme diese Inspirationen mit nach Hause, um sie in meine Charaktere einfließen zu lassen. Meine Geschichten sind also eine Mischung aus der Stille des Waldes und dem bunten Treiben am Tresen.
Phantastik Journal: Sie haben sich entschieden, Ihre Werke nun verstärkt als E-Books über Amazon Kindle zu vertreiben. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Ralf Bornemann: Die Welt des Publizierens hat sich verändert. Als Autor möchte ich nah an meinen Lesern sein und schnell auf neue Ideen reagieren können. Amazon ermöglicht es mir, meine Kurzgeschichten und Romane an einem zentralen Ort zu bündeln und sie sofort zugänglich zu machen. Es ist die Freiheit, die ich als „Worttänzer“ brauche: Ich entscheide über den Rhythmus meiner Veröffentlichungen. So können Leser, die meine Krimis von 2025 mochten, ganz unkompliziert entdecken, was ich heute in der Welt der Fantasie erschaffe.
Phantastik Journal: Wenn man Sie privat in Schwerte besucht – wie sieht der Alltag eines Mannes aus, der ständig zwischen Realität und Fiktion wandelt?
Ralf Bornemann: (lächelt) Mein Alltag ist eigentlich eine ständige Suche nach dem nächsten „Was wäre, wenn…?“. Ich beobachte viel, ich höre zu, und ja, ich verliere mich oft in Tagträumen. Ich sehe die Welt nicht als gegeben an, sondern als eine Ansammlung von Geschichten, die nur darauf warten, aufgeschrieben zu werden. Ob ich nun beim Gassi-Gehen eine mysteriöse Wurzel sehe, die wie ein Zahnrad geformt ist, oder im Wirtshaus eine Geschichte über ein verlorenes Familienerbe aufschnappe – alles fließt in meine Arbeit ein.
Phantastik Journal: Herr Bornemann, vielen Dank für diesen sehr persönlichen Einblick. Wir sind gespannt, welche Welt Sie als Nächstes aus dem Hut – oder dem Zylinder – zaubern.
Ralf Bornemann: Vielen Dank. Die Uhren in Chronos schlagen weiter, und die nächste Geschichte wartet schon darauf, erzählt zu werden.