Frohes neues Date: Die Chaos-Komödie zum Jahreswechsel 2025/2026

1. Kapitel: Der digitale Schubs

Marie starrte auf ihr Smartphone. Die App „Spark26“ leuchtete in einem aggressiven Pink. „100% Match-Potenzial für den Jahreswechsel!“ verkündete die KI. Marie seufzte. Ihr Vorsatz für 2025 war eigentlich gewesen, weniger Zeit mit Wischen und mehr Zeit mit echten Menschen zu verbringen. Doch nun, am letzten Abend des Jahres, packte sie die Panik vor der Einsamkeit zwischen Fondue-Resten und „Dinner for One“.

Lukas hingegen saß drei Kilometer weiter in seiner WG und kämpfte mit einem widerspenstigen Fliegentier. Seine Schwester hatte ihm das Profil erstellt. „Lukas, du bist seit zwei Jahren Single und verbringst mehr Zeit mit Moos-Proben als mit Frauen. Heute Abend triffst du Marie. Punkt.“


2. Kapitel: Die Begegnung der dritten Art

Ort: Vor dem Brandenburger Tor

Zeit: 20:30 Uhr

Berlin war eine Festung. Überall Absperrgitter, Polizisten in neongelben Westen und Touristen, die versuchten, Sektflaschen in ihren Stiefeln durch die Kontrolle zu schmuggeln. Marie fror. Ihr Paillettenkleid kratzte, und der Wind pfiff durch die Ritzen ihres Mantels.

Plötzlich ein Scheppern. Ein E-Scooter schlitterte über das Kopfsteinpflaster, gefolgt von einem Mann, der aussah, als hätte er einen Kampf mit einem Weihnachtsbaum verloren. Lukas rappelte sich auf, seine Mütze hing schief.

„Bist du Marie?“, fragte er und versuchte, sich den Staub von der Hose zu klopfen. „Die Frau, die laut Algorithmus zu 98,7 % mein Schicksal ist? Ich bin Lukas. Der Restprozentsatz steht wohl für meine mangelnden motorischen Fähigkeiten.“

Marie musste gegen ihren Willen lächeln. „Ich hatte eigentlich jemanden mit einem weißen Pferd erwartet, aber ein kaputter Roller tut’s für den Anfang auch.“


3. Kapitel: Das Ticket ins Nirgendwo

Sie wollten in eine schicke Rooftop-Bar am Potsdamer Platz. Lukas hatte „reserviert“ – dachte er. Doch als sie vor dem Türsteher standen, stellte sich heraus: Die Reservierung galt für den 31.12.2024.

„Tut mir leid, Kumpel“, brummte der Türsteher, der Arme wie Baumstämme hatte. „Heute ist 2025. Ohne QR-Code für heute kommt ihr hier nicht mal zum Händewaschen rein.“

Marie sah Lukas an. „Bio-Physiker, sagtest du? Hast du das mit der Zeitrechnung im Studium übersprungen?“ Lukas kratzte sich am Kopf. „In der Quantenphysik ist Zeit relativ. Aber ich schätze, für diesen Türsteher ist sie ziemlich absolut.“


4. Kapitel: Die Odyssee der U8

Die Temperatur sank auf minus fünf Grad. Sie beschlossen, nach Kreuzberg zu flüchten. Die U-Bahn-Linie U8 war an diesem Abend ein Mikrokosmos des Wahnsinns. Eine Gruppe junger Männer aus Brandenburg, verkleidet als riesige rosa Glücksschweine, grölte Schlager. Ein Mann in der Ecke versuchte, eine Wunderkerze anzuzünden, wurde aber sofort von einer Oma mit einem Regenschirm gemaßregelt.

Plötzlich: Ein Ruck. Das Licht flackerte und erlosch. Die Bahn hielt mitten im Tunnel zwischen Alexanderplatz und Jannowitzbrücke.

„Das darf nicht wahr sein“, stöhnte Marie. „Keine Sorge“, sagte Lukas ruhig und holte eine Taschenlampe aus seinem Rucksack. „Ich bin Wissenschaftler. Ich habe immer Ausrüstung dabei.“ „Hast du auch ein Fluchtfahrzeug dabei?“ „Nein, aber ich habe zwei Dosen lauwarmes Pils und eine Packung gesalzene Erdnüsse.“

In der Dunkelheit der liegengebliebenen U-Bahn begannen sie zu reden. Nicht über Jobs oder Hobbys, sondern über echte Dinge. Lukas erzählte von seiner Angst vor Spinnen und seiner Leidenschaft für alte Landkarten. Marie gestand, dass sie heimlich Liebesromane schreibt, in denen die Männer alle wie Henry Cavill aussehen.


5. Kapitel: Dinner for Two (mit Alles und Scharf)

Um 23:10 Uhr spuckte die U-Bahn sie endlich am Kottbusser Tor aus. Der Hunger war mittlerweile schmerzhaft. Jedes Restaurant war entweder geschlossen oder verlangte 150 Euro für ein „Silvester-Menü“.

„Komm mit“, sagte Lukas entschlossen. Er führte sie zu einem kleinen, dampfenden Stand: „Mustafas Neujahrs-Traum“. „Ein Döner? Ernsthaft? Mein Kleid hat mehr gekostet als dieser ganze Stand!“, rief Marie. „Vertrau mir. Es ist der einzige Ort in Berlin, der heute keine falschen Versprechungen macht.“

Sie standen in der Schlange, während um sie herum die ersten illegalen Böller explodierten. Als sie endlich dran waren, gab es kein Fleisch mehr – nur noch gebratenes Gemüse und viel Knoblauchsauce. Sie saßen auf einer kalten Plastikbank, teilten sich den Döner und lachten so sehr, dass Marie fast ihren Sekt verschüttete.


6. Kapitel: Der Countdown auf dem Dach

23:45 Uhr. „Wir müssen nach oben“, sagte Lukas. Er wohnte in einem Altbau in der Nähe. Sie rannten die fünf Stockwerke hoch, Marie in ihren High Heels, die sie inzwischen in den Händen trug.

Über eine rostige Leiter gelangten sie auf das Flachdach. Berlin lag ihnen zu Füßen. Die Stadt glühte. In der Ferne sah man das Brandenburger Tor, über dem bereits die ersten Laserstrahlen in den Himmel zuckten.

„Zehn Minuten“, flüsterte Marie. Sie spürte die Kälte nicht mehr. Lukas stand neben ihr. Er hatte seine Brille immer noch nicht gefunden, die ihm in der U-Bahn runtergefallen war. „Weißt du“, sagte er, „ich sehe gerade nur bunte Kleckse. Aber du bist der schönste Klecks, den ich je gesehen habe.“

Marie lachte leise. „Lukas, das war der schlechteste und gleichzeitig süßeste Anmachspruch aller Zeiten.“

00:00 Uhr. Die Stadt explodierte in Farben. Gold, Silber, Blau und Grün. Das Jahr 2026 begann mit einem ohrenbetäubenden Knall. Lukas drehte sich zu Marie. „Frohes neues Jahr, Marie.“ „Frohes neues Jahr, Lukas.“

Er beugte sich vor, doch in diesem Moment rutschte er auf einer gefrorenen Sektlache aus. Er ruderte mit den Armen, klammerte sich an Maries Mantel – und beide stürzten in einen weichen Haufen Neuschnee, der sich am Rand des Daches angesammelt hatte.

Sie lagen da, starrten in den funkelnden Himmel und lachten so laut, dass die Nachbarn einen Stock tiefer gegen die Decke klopften.


7. Kapitel: Das erste Frühstück 2026

Ort: Ein gemütliches Café in Kreuzberg

Zeit: 1. Januar 2026, 11:30 Uhr

Die Sonne schien hell auf den unberührten Schnee. Marie und Lukas saßen am Fenster, beide mit tiefen Augenringen, aber einem breiten Grinsen. Vor ihnen dampften zwei große Tassen Kaffee und ein Berg Rührei.

Maries Handy vibrierte. Eine Benachrichtigung von Spark26: „Wie war dein Date mit Lukas? War er ein 100% Match? Bewerte ihn jetzt!“

Marie sah Lukas an, der gerade versuchte, mit einer Serviette einen Kaffeefleck von seinem Hemd zu entfernen, und dabei erneut fast seinen Löffel verschluckte.

Sie tippte: „Der Algorithmus hat versagt. Er hat nicht erwähnt, dass Lukas tollpatschig ist, keine Reservierungen prüfen kann und keine Brille hat. Aber er hat auch nicht erwähnt, dass er der erste Mann ist, mit dem ich in einer liegengebliebenen U-Bahn lachen kann. 5 Sterne. Lösche hiermit die App.“

Lukas sah auf sein Handy, lächelte und legte es weg. „Und, was machen wir am 31.12.2026?“ „Diesmal reserviere ich“, sagte Marie und nahm seine Hand.

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