Gegenüber

Das Neonlicht über uns flackerte im Rhythmus der Schienen. Draußen war nur Dunkelheit.
Drinnen saß er mir gegenüber. So, dass man nicht wegsehen konnte, ohne es zu bemerken.

Wir sahen uns an. Nicht ununterbrochen, aber oft genug, um zu wissen, dass es kein Zufall war.
Die Bahn fuhr an, hielt, fuhr weiter. Menschen stiegen ein und aus. Zwischen uns blieb alles gleich. Mein Herz schlug schneller, als es nötig gewesen wäre. Ich dachte daran, etwas zu sagen. Nicht viel. Nur etwas, das den Moment berührt hätte. Aber es blieb bei dem Gedanken. Unsere Hände lagen ruhig. Unsere Knie berührten sich nicht.


An einer Station öffneten sich die Türen länger als sonst. Ich stand auf. Er sah mich an, als wüsste er, dass es das war. Er blieb sitzen. Als die Bahn anfuhr, drehte ich mich um. Er hatte den Kopf gegen die Scheibe gelehnt, die Augen geschlossen. Ich ging die Treppe hinauf und wusste nicht, ob ich gerade einen Menschen verlassen hatte oder einen Moment, der Nähe erlaubt hätte.


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